Sozialsysteme in der Dauerkrise
Der Sozialstaat - nicht nur in Deutschland - hat
sich verausgabt,
die Sozialsysteme kollabieren.
Die Folgen: Bei den meisten Arbeitnehmern reichen die Ansprüche aus der gesetzlichen Rentenversicherung schon jetzt und erst recht auch künftig nicht mehr aus, um den gewohnten Lebensstandard im Alter zu sichern.
Die Versorgungslücke wächst und wächst und wird mit zunehmendem Alter des Verbrauchers, immer größer.
Von wegen, der Staat wird’s schon richten!
Soziale Sicherung = Altersarmut
"Sozialsysteme nicht mehr zu retten"
"Wirtschaft und Sozialsysteme brauchen Investitionen in eine mittel- und langfristige Zukunft", beschreibt der Bielefelder Forscher das Problem. "Für Menschen ohne Kinder endet die Zukunft mit dem Ende ihres Lebens", sagt Birg. Ihnen fehle damit die Bereitschaft, langfristig zu investieren. "Da immer mehr Menschen keine Kinder bekommen, werden die Investitionen und Lösungsvorschläge immer kurzfristiger", sagt der Forscher.
"Wir erleben im Moment eine demographische Zeitenwende", beschreibt er die weltweite Situation. Nach einer OECD-Studie werde die Weltbevölkerung ab dem Jahr 2040 schrumpfen. In Deutschland sei dieser Trend seit 1972 zu beobachten. "Gleichzeitig entspricht die Altersstruktur in Deutschland heute schon der, die weltweit für das Jahr 2050 erwartet wird", erklärt Birg. Im Jahr 2050 stünden 100 Personen im Alter von 20 bis 59 Jahren ungefähr 90 über Sechzigjährige gegenüber. Die Folgen dieser Entwicklung werden in Deutschland schon vor 2050 sichtbar sein, sagt der Wissenschaftler.
"Durch den sprunghaft steigenden Altersschnitt werden bis 2020 alle Bereiche vom Arbeitsmarkt bis zu den Sozialversicherungssystemen betroffen sein", so Birg. Die Krankenversicherung etwa werde "zu einem Test, der nicht bestanden werden könne". Da alte Menschen häufiger und schwerer erkranken als junge, müssten die Beiträge bei einer Alterung der Bevölkerung stark angehoben werden. "Sie werden nicht mehr bezahlbar sein", befürchtet Birg.
Private Krankenversicherungen könnten sich aber nur diejenigen leisten, die über Kapital verfügen, "und dies sind nicht diejenigen mit Kindern", sagt der Forscher: "Bei steigender Lebenserwartung werden die Unterschiede der Lebensformen derer mit und derer ohne Kinder noch stärker zunehmen." Sozialsysteme, die auf dem finanziellen Austausch zwischen den Generationen beruhen, seien den ohnehin benachteiligten Familien dann nicht mehr zuzumuten.
"Es ist schon 30 nach Zwölf, die Politik hätte längst einschreiten müssen um den Prozess zu stoppen", sagt der Demograph. Seine Forderung: "Wir brauchen eine Großtat ähnlichen Kalibers wie die Erfindung der Sozialsysteme von Bismarck, billiger geht es nun nicht mehr."




